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Was hast'n nix gsagt?

  • Dec 30, 2018
  • 3 min read


"Was machst du zu Sylvester?" "Gar nix, was soll ich schon machen? Ich hasse Sylvester. Die unsinnige Knallerei. Und auf Druck lustig sein. Danke. Brauch i net!" "Schade, wollt dich fragen, ob du zu mir kommst. Jetzt wo'sd eh Single bist." "Hm. Was machen?" "Naja, weiß nicht wirklich. Letztes Jahr hatte ich das heulende Elend. Hab mich alleine angsoffn. Ätzend. Des mach i sicher nimma. Oder gehn wir auf die Sylvestermeile? Obwohl, wenn du die Knallerei nicht magst. " "Aso, du hast dich allein angsoffn? Hab geglaubt, du warst Party machen? Was hast denn nix gsagt?"

Susi dachte mit Schaudern an ihr letztes Sylvester. Zuerst saß sie mal in ihrer kleinen Küche und bofelte eine Chik nach der anderen. Ihr Holder, der Wolfi, hatte viel Spaß. Der telefonierte dauernd mit irgendwelchen Kumpels. Nebenbei stopfte er gierig, als hätte er drei Wochen nix gegessen, ihre mühsam kreierten Partyhäppchen in sich rein. In Herzform. Schmatzte mit seinen öligen Mayonnaise Lippen, grölte irgendwelchen Schwachsinn ins Handy zu dem, da am anderen Ende der Leitung. Und sie, sie fadisierte sich. Und war ziemlich angfressen. Zu zweit allein, das ist das Schlimmste. Die Singles, die habns ja einfach. Die können machen, was sie wollen. Die wissen ja gar nicht, wie gut sies haben, so frei, so unabhängig. Das dachte sie im letzten Jahr. Als sie da saß in der Küche, die Hausmauer gegenüber anstarrte und am liebsten losgerannt wär. Sie dachte an Meli, an diesem Abend, ihre einzige Freundin. Sie beneidete Meli, weil die ja machen konnte was sie wollte.

Kurz nach neun hatte Susis Holder durchs Vorzimmer geschrien:"Hol mir noch Zigaretten! Brauchst auch welche?" Susis "Nein!" verhallte irgendwo im Nirwana. Denn die Tür war schon gleich mit lautem Knall ins Schloss gefallen. Um halb elf war der Holde noch immer nicht zurück vom Zigaretten holen.

Kurz nach Neun leerte Meli die zweite Flasche Rotwein. Sie heulte sich die Augen aus dem Kopf. "Prost, mei Susi, wenigstens du hast an Habara und bist net alanich. Auf di, du Glickliche!" Die, die jemand haben, wissen ja gar nicht, wie gut sies haben. Wissen ja gar nicht, wie oag des is, so allein, dauernd, vor allem aber an solchen Tagen.

Wolfis Handy grölte unentwegt:"We are the champion!" auf der Couch, bis Susi die Nase voll hatte und es einfach abdrehte. Wahrscheinlich hat er noch irgendwen getroffen und tratscht. Oder er ist noch schnell mal einen Hupfer zur Mama, ein gutes Neues Jahr wünschen. Ja, auf die Mama, da hält er schon große Stücke.

Um elf rannte Susi zwischen Wohnzimmerfenster und Schlafzimmerfenster hin und her. Die Gfraster von der Nachbarstiege schmissen Knaller unter die Autos. Rannten dann quietschend und schreiend um die Ecke. Weil der Meier vom vierten Stock plärrte:"I kriag eich. Rotzpipn!"

Um elf hockte Meli, ihre riesige pinke Kuschelente fest umschlungen, am Küchenboden, heulte Rotz und Wasser, wegen ihrer trostlosen Einsamkeit. Um halb zwölf riss Susi ihre Jacke vom Haken, schnappte Schal und Schlüssel, "Jetzt reicht's!", stolperte die Stufen hinunter, hinaus in die Kälte.

Um Halb zwölf hing Meli über ihrer Klomuschel und übergab sich zum zigsten Mal.

Um sieben Uhr in der Früh, am ersten Tag im Neuen Jahr schmiss Susi Wolfis Sachen beim Fenster runter. Weil der Wolfi, der war mit der Herta, in Hertas Bett gelandet. Das hatte ihr der Fred erzählt, den Susi auf der Polizei getroffen hatte, um fünf in der Früh, als sie dort fragte, obs vielleicht was gehört haben, von ihrem Wolfi.

"Eigentlich hast mir nie erzählt, warum ihr auseinander seid, du und dein Wolfi."

Und die Susi erzählte ihrer Meli das ganze Dilemma.

"Was hast'n nix gsagt? Na oag. Und ich war voll im Öl, und du hast glaubt, na, so a Bledsinn. Wenn ich das g'wußt hätt! Ah deshalb magst kein Sylvester! Na komm, jetzt mach ma an Schlußstrich. Und fangen einfach von vorn an. Ab heut mach ma alles anders."


 
 
 

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