Aufgeschnappt - Coronawahrheiten - Willkommen in meiner Welt - Das andere Allein
- Dec 29, 2020
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Updated: Oct 31, 2021
Die Rosa und ihr Emil sind voll Freude hierher in ihr eigenes Häuschen in die idyllische kleine Ortschaft gezogen. Schon vor sehr langer Zeit. Sie hat ein glamouröses Statdleben aufgegeben. Shoppen mit den Freundinnen, die Schwestern auf ein Jauserl im Cafe treffen. Nach dem Theater zum Asiaten ums Eck. All das und noch viel mehr vermisst Rosa unendlich. Sie leidet. Jeden Tag. Jede Stunde. Seit langer Zeit. Denn die Jahre sind vergangen. Die Zeit hat Spuren hinterlassen. Spuren, die man nicht mehr wegreden kann. Auch nicht mehr schönreden. In der Stadt, da wär das alles nicht so schlimm gewesen. Mit den Spuren. Aber hier. Im Dorf. Da am Land. Wo rundum Natur pur das Sagen hat. Da wiegt jedes kleine Altersmakel gleich schwer wie eine Tonne. So fühlt es sich zumindest für Rosa an. Zu alt sind die Freundinnen und Schwestern in der Stadt geworden. So wie sie selbst. Oder gar tot. Jede Autofahrt ist ein Problem geworden. Der Emil, der ist auch ein Problem geworden. Er spricht, also so richtig, nur mehr mit seiner Jugendliebe, die jetzt in Deutschland wohnt. Nicht einmal heimlich. Übers Netz kann er das, irgendwie. Rosa findet sich nicht so gut zurecht mit den neuen technischen Sachen. Mit ihr, mit seiner Rosa, mit der er in jungen Jahren die Welt bereist und ihre Schönheit geliebt hat, mit ihr findet er kaum mehr ein Wort. Schweigen liegt über dem Haus hier in dem kleinen Dorf. Die Einsamkeit, vor der sich Rosa immer gefürchtet hat, die ist viel zu früh gekommen. Und hat ein großes Loch in Rosas Seele gefressen. Eine tiefe Traurigkeit, gegen die man gar nicht ankann, verspürt die Rosa. Eine Wehmut, die nicht mehr weggehen will. Rosa ist einsam. Zu Zwein, aber einsam. So einsam, dass es weh tut, das Leben.
Rosa kann die Aufregung um die Einsamkeit, die der Coronalockdown angeblich verursacht, so gar nicht verstehen. »Das ist ein Wahnsinn. Ich weiss nicht, wie lange ich das noch aushalten werd. So ein schreckliches Leben. Das pack ich nimmer lang.« Jammert die Nachbarin Rosa an. »Willkommen in meiner Welt.« Denkt sich Rosa nur. Und irgendwie, fühlt sie sich jetzt nicht mehr so einsam.

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