VIELLIEBCHENTAG
- Feb 14, 2015
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Eigentlich müsste ja heute in der Kirche Santa Maria in Cosmedin, am römischen Tiberufer viel los sein.
Denn in einer Seitenkapelle dieser Kirche wird der heilige Valentin verehrt. Auf einem Altar kann man die Reliquien des Bischof von Terni aus Italien, besichtigen.
Ich glaube, es werden sich heute wohl wenige Liebespaare hier einfinden. Der Anblick des Totenschädels des heiligen Valentins, weckt wohl kaum romantische Gefühle.
Der Namensgeber für den Valentinstag war also, so wie es in vielen Schriften überliefert wird, Valentin, der im 3. Jahrhundert nach Christi wegen seines Glaubens hingerichtet wurde.
Er soll Liebespaare nach christlichem Ritus getraut haben, trotz eines Verbotes des Kaisers Claudius II. Goticus, und ihnen Blumen aus dem eigenen Garten geschenkt haben. Angeblich war er schon damals ein „Paartherapeut“. Denn Liebende kamen zu ihm, und baten ihn um Rat, wenn sie in einer Krise steckten. Der Legende nach soll er begonnen haben, ein Mädchen zu heilen. Kurz vor seiner Enthauptung soll er dem Mädchen eine Botschaft geschrieben haben. Als das Mädchen den Brief öffnete, fand sie darin eine Krokus, deren Farben sie erkennen konnte.
Es gibt viele Überlieferungen und Erzählungen, die sagen, dass die Geschichte des Valentinstags aber auch schon viel älter wäre.
Die alten Römer, so wird überliefert, hatten beobachtet, dass Mitte Februar die Vögel ihre Paarungszeit beginnen.
So brachten sie der Göttin Juno Februata, Göttin des Liebesfiebers, Blumen als Opfer. Und auf dem Heimweg, dann gleich auch noch einen Strauß der eigenen Frau.
Zur selben Zeit aber, so sagt man, fanden auch die Luperkalien statt. Luperkalien , das Hauptfest des italischen Herdengottes Faunus, der den Beinamen Lupercus, der "Wolfsabwehrer" hatte. Lupercus hatte am Palatinischen Berg eine heilige Grotte Lupercal errichtet. In dieser Grotte hatte er sein Bild aufgestellt und mit einem Ziegenfell umhangen. Die Luperkalien waren ein Reinigungsfest und wurden am 15. Februar gefeiert. Und zwar in der legendären Höhle am Palatin, in der die Wölfin die Stadtgründer Romulus und Remus gesäugt haben soll. Diesen wurden nun Böcke geopfert. Ein Teil der Felle wurde in Riemen geschnitten, die restlichen Felle schlangen sich die Priester um den Leib. Nackt, bis auf diesen Lendenschurz aus Ziegenfell, liefen sie durch die Straßen Roms. Sie schlugen den Frauen und Mädchen, die sie dabei angetroffen hatten, mit den Fellriemen auf die Hände. Das sollte die Wirkung haben, dass diese bald einen Mann finden sollten, mit dem sie es den turtelnden Vögeln gleichtun können.
Dieses Fest war bis zum Verbot durch Kaiser Theodosius ausgesprochen beliebt. Doch die Christen konnten den Römern die Luperkalien endgültig erst austreiben, in dem sie das Fest christlich besetzten. Und so musste dann eben der Valentin herhalten. Zwar ohne Schafsfell, doch mit Blumen.
Die Legenden, die sich um den Bischof erzählt werden, sind historisch nicht nachweisbar. Aber sicher ist es kein Zufall, dass sein Enthauptungsdatum auf den 14. Februar gelegt wurde. Und so ruht sein Kopf nun in der Kirche, wenige Schritte von der Höhle der römischen Wölfin entfernt.
Der Tag des Valentin war auch einer der so genannten Lostage, den Zukunft bestimmende Bedeutung im Guten, wie im Schlechten zugeschrieben wurde. Zufälle, die gerade an diesem Tag geschahen, deutete man als Vorzeichen für spätere, glückliche Beziehungen. So zum Beispiel soll der erste Bursche, den ein Mädchen am Morgen sieht, für das zukünftige Glück eine Bedeutung haben.
Ein Vielliebchen (Umdeutung aus St. Valentinstag, eng. Valentine; franz. Phillipine, luxemb. Filipchen) ist eine Wette (Scherzbrauch) um eine Zwillingsfrucht. Bei einem Vielliebchen handelt es sich um zwei zusammengewachsene Früchte, oder einer Nuss oder Mandel mit zwei Kernen (Doppelmandel). Die Verliebten aßen gemeinsam eine Zwillingsfrucht und wetteten darauf, wer am nächsten Morgen den Liebsten zuerst mit dem Satz „Guten Morgen, mein Vielliebchen“ beglückte. Auch der Preis dieser Wette heißt daher Vielliebchen. Der Feldsalat wird übrigens auch Vielliebchen genannt. Vielleicht, weil er in den winterlichen Monaten eines der wenigen Gartenfrüchte ist, die man ernten kann. Im Winter so frisches und junges Gemüse zum Vernaschen zu haben, lässt sowohl Fantasie, wie auch die Liebe wachsen.Daher wird der Valentinstag auch "Vielliebchentag" genannt.
In England und Frankreich glaubten die Menschen, dass sich an diesem Tag die wilden Vögel zu paaren beginnen. Darum wurde Valentin in England und Frankreich zum Schutzpatron der Verliebten und Verlobten.
Möglicherweise stammt der Valentinstag von einem altindischen Fest, welches den 14. Februar dem Gott der Ehe widmete, ab. Der orientalische Brauch an diesem Tag seiner Angebeteten Liebesschwüre zu senden, lässt gemeinsame Wurzeln erahnen.
Die Sitte, kleine mit Herzen verzierte Geschenke zu verschicken, ist nach dem Krieg aus England und Amerika nach Europa gekommen.
Wie auch immer, sie den Valentinstag feiern möchten, den Anlass zum Anlass nehmen, um etwas Liebevolles für DEN Menschen ihres Herzens zu tun, ist dies, so wie ich finde, auf jeden Fall, ein guter Tag. Denn es wird wieder einmal ein Tag sein, an dem Menschen auf der ganzen Welt, Liebes tun und denken. Sie wissen schon, - die Macht der positiven Gedanken, und dann noch kollektiv – welch ein Sammelsurium an positiver Energie!
Deshalb gefällt mir der Ausdruck Vielliebchentag für den 14.Februar am besten. Haben sie einen guten Vielliebchentag! Und vielleicht denken sie ja auch ein bisschen an den Bischof Valentin und zünden ein Kerzerl für ihn an.




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