top of page

"ES" das IT is IT im Kino

  • Sep 6, 2019
  • 4 min read

Updated: Dec 26, 2020



KINO begeistert mich, seit ich 12 bin. Die Geschichten, die auf der Leinwand erzählt werden. Ich liebe sie alle. Egal welche Filmkategorie.

Horror gehört freilich auch dazu. Und damit natürlich »ES«.

2019: Pennywise ist wieder da. In der Fortsetzung zum Horrorhit „ES“ von Andrés Muschietti nach dem Roman von Stephen King kehrt der Horrorclown nach Derry zurück. Und in die Kinos.

Als Regisseur Andrés Muschietti („Mama“) im Jahr 2017 das Remake des Fernsehzweiteilers aus dem Jahr 1990 in die Kinos brachte, war die Erwartung groß. Immerhin gehörte die Verfilmung der weltberühmten Buchvorlage von Stephen King zu den Horrorfilmen, die eine ganze Generation geprägt hatten. Unvergessen ist, wie ich finde, Tim Curry als sadistischer Clown Pennywise. Und "ES" war, ist, einer der gelungensten Filmhorrorgeschichten, die jeder Horrorliebhaber gesehen haben muss. Wieder ein Remake? Wer wagt, gewinnt.

Denn Muschietti ist der Drahtseilakt tatsächlich wieder gelungen: Allein der Trailer zum Remake wurde innerhalb von 24 Stunden 197 Millionen Mal aufgerufen — ein Weltrekord!

Wie schon in den »ES« Filmen zuvor, gibt es die versprochene Spannung auch in diesem Remake. Der Film dauert fast ganze drei Stunden. Und das ist, wie ich finde, für einen Horrorfilm sehr gewagt. Aber Langeweile schleicht sich nicht ein. Die wenigen »furchtlosen« Sequenzen, die anmuten Lebensweisheiten unters Volk zu bringen, zeigen dafür durch und durch Menschliches. Das kann »Horrorfan« verkraften. Tiefsitzende Ängste, Ticks, Selbstzerwürfnis und Selbstzweifel, zwischenmenschliche Konflikte, menschenverachtende Grauslichkeiten sind gekonnt in die Geschichte eingearbeitet. Selbstzerstörung, Gewalt in der Familie, Ehe, Hetze auf Homosexuelle, schwarzgemalte Randgruppenexzesse hinterlassen ihre Spuren. Wühlen auf und bleiben auch am morgen danach. Hervorragende Kameraführung mit gut gesetzten Schreckmomenten, tolle technische Spielereien, zum Teil auch sehr blutige Details, erfüllen, wie ich finde, die Horrorerwartung der Cineasten.


Die Geschichte:

In „ES 2“ sind die Kinder der Geschichtenvorlage von Spielberg, erwachsen geworden. So erübrigt sich das Hin- und Herspringen zwischen verschiedenen Zeitebenen und der Horror kommt deutlich klarer strukturiert daher.

Für einige Flashbacks sind die Kinderdarsteller des ersten Teils wieder mit von der Partie. (allen voran: Jaeden Lieberher und Sophia Lillis)

Die Besetzung von „ES 2“ kann mit Star-Schauspielern wie der oscarnominierten Jessica Chastain („Molly’s Game“) und James McAvoy („Split“) aufwarten. Der erwachsene Club der Verlierer wird durch Bill Hader („Dating Queen“), Jay Ryan („Top of the Lake“), James Ransone („Sinister II“), Andy Bean („Die Bestimmung - Allegiant“) und Isaiah Mustafa („Kill the Boss“) vervollständigt. Bill Skarsgård („Assassination Nation“) darf sich wieder als Pennywise austoben.



Der Club der Verlierer hatte geglaubt, den Horrorclown Pennywise besiegt zu haben. Die Freunde von damals sind in alle Windrichtungen zerstreut.

Einzig Mike Hanlon (Isaiah Mustafa) ist in Derry geblieben, um darüber zu wachen, ob der Horrorclown zurückkehrt.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich so manches verändert.

Beverly Marsh (Jessica Chastain) leitet inzwischen eine Modefirma, ist jedoch mit dem gewalttätigen Tom Rogan (Will Beinbrink) verheiratet. Der stotternde Bill Denbrough (James McAvoy) hat es zum erfolgreichen Schriftsteller gebracht, der ehemals übergewichtige Ben Hanscom (Jay Ryan) ist ein ausgebuchter Star-Architekt mit durchtrainiertem Modelkörper, Plappermaul Richie Tozier (Bill Hader) ein angesagter Radiomoderator und Entertainer.

Doch das Grauen hat sich bloß in die Kanalisation von Derry zurückgezogen, um seine Wunden zu lecken.

27 Jahre nach den grauenvollen Ereignissen aus Stephen Kings „ES“ fließt in der amerikanischen Kleinstadt Derry wieder einmal Blut.

Gender und Menschenrechtsachtend zeitgemäß, ist das erste Opfer ein homosexuelles Pärchen. Sie werden von einer Randgruppenboygroup »der mittlerweile angeprangerten anderen« Weltanschauung, wirklich sehr brutal verprügelt.

Schon hier gehen die Emotionen des Kinobesuchers hoch, weil diese himmelschreiende Menschenverachtung dann doch passiert, wieder, und noch immer, immer wieder. Obwohl sich jeder sehnlichst eine andere Welt wünscht. Zu guter Letzt wird das menschliche Grauen von Pennywise (Bill Skarsgård, der den Pennywise herausragend verkörpert) mit ebensolchen Horror beendet. Hier stelle ich mir das erste Mal in diesem Film die Frage: Wer von ihnen ist das schlimmere Monster? Die Boygroup oder Pennywise? Und wieder gelange ich zu dem Schluß, dass Pennywise tatsächlich die menschlichen Grauslichkeiten in all ihrer Abscheulichkeit verkörpert - uns menschliche Abgründe zeigt, die unsere Nackenhaare aufstellen. Aber doch so real sind, dass wir es nicht glauben wollen.

Mike Hanlon erfährt von dem neuerlichem Blutgeschlachte in Derry. Er ruft die sechs Freunde von damals an.

Er weckt auch Eddie Kaspbrak (James Ransone) aus seinem 27-jährigen Dornröschenschlaf. Bei Stan Uris (Andy Bean) hingegen löst die Nachricht eine rettungslose Furcht aus. Als die Mitglieder des Clubs in Derry wieder zusammenkommen, erinnern sie sich nur langsam an ihre Vergangenheit. Alles scheint wie ausgelöscht und vergessen. Doch im Hintergrund lauert nicht nur Pennywise. Der psychopathische Henry Bowers (Teach Grant), einer der »damaligen« Badboys«, der in der Psychiatrie gelandet ist, bricht aus dem Irrenhaus aus und so wie es Pennywise ihm zuflüstert, kehrt auch er in die Kleinstadt zurück.



Ich habe die drei Stunden genossen. Bin voll abgetaucht in diese andere Welt. Da oben auf der Leinwand. Einzig die für mich etwas überzeichneten Sciencefiction Momente, hätte ich mir anders oder gar weggewünscht. Und so ein bisschen das gewollt, wie es im ersten ES war. Magische Momente, die aber im Auge des Betrachters liegen aber doch Fragen offenlassen. Für mich habe ich trotz allem eines verinnerlicht: Pennywise sind wir. Wir alle, hier auf diesem blauen Planeten. Wir mit unseren abgrundtiefen Grauslichkeiten, die wir schönreden und manchmal sehr gekonnt hinter Kostümen und Kulissen verstecken.

 
 
 

Comments


bottom of page