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PRINZESSIN FETTSCHWARTE Der Besuch bei der „Grünen tollen Frau“

  • Jun 11, 2015
  • 3 min read

Updated: Oct 24, 2018



Es war in der Wollzeile im ersten Bezirk, an einem schwülen Frühsommerabend, als ich mit meiner Fastfreundin und Arbeitskollegin Florence den Klingelknopf am beeindruckend großen schwarzen Eingangstor drückte. „Gott, ich bin ja schon so aufgeregt. Du wirst staunen Prinzessin Berta“, flötete Florence und zupfte nervös an ihrem tief ausgeschnittenen kleinen Schwarzen. „Diese Frau! Sie ist ja so engagiert! Und was die alles macht! Die, ist eine, die unsere Welt noch retten wird. Die letzte Demo am Ring, wegen der globalen Umweltverschmutzung. Da hat die denen allen, aber so was von, die Meinung geigt. Wirst sehen, da sind heut voll Wichtige von der Politik und der Presse da.“

Wir wurden von einer kleinen, adretten Frau in die helle, große Eingangshalle gebeten. Ich erkannte diesen blumigen Geruch, der an Wiesenblumen erinnern sollte, sofort wieder. Er gehört zu einem der Putzwunder, die „biologisch abbaubar“ versprechen und voll Chemie stecken. Ich konnte nicht umhin, kurz an meine liebe Mama zu denken. Damals als sie auf dem Gut, auf dem wir lebten, putzte, da war auch alles so sauber und glamourös. Allerdings putzte sie mit Schmierseife, Salz und Spiritus. „Ihre Garderobe bitte. lächelte sie freundlich und hielt uns ihre gestreckten Arme entgegen. Fast im selben Augenblick strahlte der Mann in Butlermanier:“Ihre Einladungen bitteschön, meine Gnädigsten? Presse?“ Florence nickte kichernd. „Was hab ich dir gesagt? Bemerkenswerte Frau. Mit Personal! Uhh!“

In dem Marmorzimmer, in dem es nur so blitzte und strahlte, wurde uns Cocktail gereicht. Ich nippte höflich an meinem Kristallglas und beobachtete Florence, die zielstrebig die Presseecke angesteuert hatte. Ihr gurrendes Lachen und Flöten mischte sich mit dem Klicken der Kameras und ging bald im Stimmengewirr unter. Es war da eine Unmenge an Leuten. Florence hatte nicht zu viel versprochen. Hier gab es wohl jede Menge Stoff für Interviews mit denen, die was zu sagen haben.

Ich versuchte meinen Presseausweis unbemerkt in meiner, für so einen Anlass viel zu großer Handtasche verschwinden zu lassen. Ich wollte mir vorerst noch ein Bild zu machen, wer denn da wirklich was zu sagen hätte. Vor allem Brauchbares für meinen Artikel über „Umweltbewusstsein beginnt in deinen eigenen vier Wänden“.

Tosender Applaus empfing die „tolle grüne Frau“, die nun den Raum betrat. Aufmerksam hörte ich ihren Worten zu. Umweltverschmutzung, die wir nicht nur durch die Sackerl verursachen, wäre der Tod unserer Natur! Die Lebensweise so einiger Hochrangiger müsse man anprangern. Und diese Wirtschaftskapazunder, die mit ihren gewaltigen Bürohäusern Wiens Skyline verschandeln würden! Die typisch „grünen“ Werbeslogans sprudelten nur so aus der „tollen grünen Frau“. Begeistertes Klatschen honorierte ihre abschließenden Worte:“Wie Sie ja alle wissen, fahre ich mit dem Fahrrad in die Arbeit. Und das würde ich so einigen meiner Parlamentskollegen auch empfehlen.“

Ich musste mal kurz für kleine Mädchen und suchte eine Toilette. Auch hier roch es nach chemischem Blumentraum. Mit einer Kopfnote aus Bergamotte und Zitrone, einer Herznote aus Patchouli und Sandelholz und einer Basisnote aus Amber und Vanille bezauberte dieser Raumduft, der zudem in Form von hübschem Aromadiffusor da stand. Auf den einladenden Marmorwaschbecken standen kleine putzige Körbchen mit winzigen Seifen in Herzerlform. Jede einzeln in Folie verschweißt. Papierhandtücher in zartem Rosa an der Wand. In den blitzblank chemisch gereinigten Bodenfliesen konnte ich mich wie in einem Spiegel mal von unten betrachten. Eine interessante Perspektive. In jeder Hinsicht.

Als ich dann auf der Speisekarte noch Haifischflossensuppe las, stand mein Entschluss fest. „Du Florence, sei mir nicht bös, aber ich fahr doch wieder heim. Das ist nicht wirklich meins, “ entschuldigte ich mich. „Kein Ding, Prinzessin Berta. Aber bitte, du wirst ein fabelhaftes Essen versäumen. Schade. Bussilein!“ Florence küsste mich flüchtig auf die Wange und war auch schon wieder verschwunden.

Die Sonne verschwand schon hinter den Dächern. Touristen mit Fotoapparaten schlenderten fröhlich schwatzend durch die Gassen. Und ich, ich schlenderte nach Hause.

Ich wollte heute noch mein Bad putzen. Ich nehme Waschsoda, Essig und Backpulver. Und Sie?


 
 
 

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