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FASCHING

  • Feb 5, 2015
  • 2 min read

Jedes Jahr, wenn das Faschingswochenende bevorsteht, stelle ich fest, welchen Spaß es mir macht, mich zu "verändern". Und zwar so, dass mich niemand erkennt. Dabei ist es mir in erster Linie gar nicht so wichtig, welches Kostüm ich trage. Vielmehr interessiert mich jede Art von Gesichtsveränderungen, die man durch Schminken, erzielen kann. Immer wieder bin ich überrascht, welche Tricks zu einem neuen Gesicht verhelfen. Heuer ist es mir wieder einmal gelungen. Von Angesicht zu Angesicht stand ich da, grüßte Freunde und die mussten dreimal hinschauen, oder haben erst nach meiner Stimme erkannt, wer ich wirklich bin. Wa ist es wohl, das uns so fasziniert, einmal in eine ander Rolle zu schlüpfen, uns zu verbergen, anders zu sein?

Vielleicht ist es einmal einfach befreiend, Urlaub vom eigenen ICH zu machen. Jeder von uns, hat eine Seite, die nicht immer nach aussen transportiert wird. Vielleicht aber, ist es gerade diese Seite, die wir so gerne mal ausleben möchten, in unserem Alltag aber keine Möglichkeit dazu haben, weil wir so sehr in unserer "Aussen Vor" Rolle festsitzen. Vielleicht wagen wir es auch nicht, diese zweite Seite zu zeigen, weil wir befürchten, dass unser sozialer Status, den wir uns jahrelang erkämpft haben, verloren geht. Ich bin, wer ich bin. Das auch zu leben, erfordert oftmals Mut und Courage. Hier auch zu akzeptieren, dass man möglicherweise von anderen Menschen dann weniger "gemocht" wird, stellt für viele Menschen eine Problem dar. So gibt das Kostüm, die Maske, die neu erschaffene Figur, uns die Möglichkeit, einfach mal auch ein Stück mehr "verrückt" zu sein, geheimnisvoll, ausgeflippt, extrovertiert, furchterregend, lieblich, und dabei die einzige Bewertung zu hören:"Das ist aber ein tolles Kostüm." Oder:"Wow! Toll! Ich hab dich gar nicht erkannt."

Fasching ist auch ein bisschen Urlaub. Alles ist unkomplizierter und unverkrampft. Niemand schaut komisch, wenn man mal lauter lacht, grölt, schreit, dummes Zeug redet, einmal nicht unbedingt nachdenken muss, bevor man losplappert. Das gemeinsame Ziel, die Welt von der heiteren Seite zu betrachten, verbindet auch. Klassenunterschiede, die es ja leider gibt, sind hier nicht wichtig und vor allem auch nicht präsent. Wesentlich präsenter ist im Fasching die Botschaft: Leben, Bewegung, Farbe, Freude, Lachen, Unsinn und Überraschung. Allen, die heute den letzten Faschingstag noch ausgelassen feiern, wünsch ich viel Spaß und verrückte Stunden. Vielleicht gelingt es uns ja, auch in unserem Alltag, über das Jahr, an manchen Tagen einfach Fasching zu machen, oder das andere ICH ein bisschen mehr in unser Sein zu integrieren. Das würde ich sehr spannend finden.


 
 
 

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