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Die Hühner sind da!

  • May 26, 2015
  • 4 min read


Olga und Frieda haben neue Freundinnen

Zwei sind ein Paar, drei eine Gruppe, vier sind zwei Paare und eine soziale Gruppe.

Die Hühner sind da!

Unsere Hühner sind ab heute zu viert. Olga und Frieda bekamen zwei neue Freundinnen. Conchita (die braune rechts hinter Olga) und Schuschu(links).

Conchita und Schuschu sind zwei braune Hennen, 17 Wochen jung. Conchita hat auch am Rücken weiße Federn, die weit bis in die Schwanzspitzen gewachsen sind. Schuschu sieht ein wenig dunkler aus, da die weißen Federn nur vereinzelt am Rückenende in den Schwanz reichen.

Ich hoffe, dass die vier bald Freundschaft schließen. Der Anfang war mal ein ruhiger, sanfter. Das lässt Gutes ahnen. Jetzt schlafen die vier und ich freue mich schon auf morgen. Hoffentlich haben die verregneten Tage endlich ein Ende und es scheint wenigstens ein bisschen die Sonne, damit Conchita und Schuschu ihr neues Zuhause ausgiebig erkunden und Olga und Frieda so richtig kennen lernen können.

Warum jetzt vier und nicht mehr zwei? Einige Erfahrungsberichte über Hühnerhaltung in Blogs und Foren, sowie Forschungsergebnisse über das Sozialverhalten von Hühnern haben mein erstes Hühnerjahr mit Olga und Frieda begleitet.

Die beiden sind erstaunliche Wesen, wie ich meine und überraschen mich immer wieder aufs Neue.

Und es stimmt wirklich: Jedes Huhn hat eine mehr oder weniger ausgeprägte, bzw. für den Menschen sichtbare Persönlichkeit. Manche Hühner sind besonders vorwitzig, einige hingegen eher zurückhaltend und schüchtern, die anderen wiederum mutig und draufgängerisch. Frieda ist eindeutig die Alphahenne, sie ist die Mutige. Olga ist die Sanfte – immer schon gewesen.

Es gibt sogar Hühner, die auf Musik stehen und die Gesellschaft ihres Menschen regelrecht genießen, habe ich gelesen.

Das kann ich tatsächlich bestätigen. Ich habe es mir zur Angewohnheit gemacht, Olga und Frieda ein Gute Nacht Lied(oder auch zwei) vor zu singen, wenn sie sich in ihren Stall, zur Nachtruhe zurückziehen. Sie gurren beide mit mir mit und Olga wechselt dabei sogar die Tonlage.

Olga scheint mir seit ihrem „Unfall“ bei dem ihre Augen verletzt wurden, besonders hellhörig geworden zu sein, mehr denn vorher zu zu hören, wenn ich mit ihnen spreche. Wenn ich das Radio mit in den Garten nehme und Musik spielt, gurrt und gackert sie immer mit.

Hühner sind wahre Intelligenzbestien

Was Wissenschaftler in den vergangenen Jahren über die Intelligenz der Hühner herausgefunden haben, hat mich ziemlich überrascht.

Ihre kognitiven Fähigkeiten übersteigen gar die eines Kleinkindes und liegen damit ähnlich hoch, wie die von Hund und Katze. So fand der australische Tierverhaltensforscher Dr. Chris Evans beispielsweise heraus, dass Hühner sehr wohl verstehen, dass versteckte Gegenstände noch vorhanden und keineswegs verschwunden sind, nur, weil sie gerade außer Sichtweite sind.

Auch in Sachen Kommunikation stieß Evans auf Erstaunliches. Hühner können sich unterhalten und das sogar sinnbringend – eine Fähigkeit, die sonst nur Primaten an den Tag legen. So fand der Australier heraus, dass Hühner sich über Futterstellen gegenseitig informieren, genau, wie es Primaten handhaben. Hierzu verwenden sie bis zu zwanzig verschiedene Töne für eine Futterart. Das „Gackern“ bei einem Futterwechsel hört sich daher ganz anders an, als das „Gackern“, wenn es um das gewöhnliche Futter geht. Ein sehr interessanter Test, den jeder Hühnerhalter ohne großen Aufwand selber ausprobieren kann.

Und ich habe es ausprobiert. Und kann dies bestätigen. Es gibt da zum Beispiel den „Eialarm“, der täglich erklingt, wenn Olga und Frieda ihre Eier gelegt haben. Oder rufe ich zum Beispiel „Oooolga!“, setzt Frieda mit einem Gackern ein, dass im Klang und in den Silben, meinem Rufen extrem ähnlich ist. Und so hatte ich mit der Zeit noch viel anderes Kommunikationsgegacker beobachten und entdecken können.

Hühner sind tatsächlich sehr sozial

Mit dem Sozialverhalten der Hühner haben sich bereits zahlreiche Wissenschaftler befasst und dabei interessante Entdeckungen gemacht. So fand Dr. Joy Mench von der University of California heraus, dass Hühner ein sehr ausgeprägtes Sozialverhalten an den Tag legen.

Dass die Pickordnung der sozialen Rangfolge dient, ist bereits hinlänglich bekannt, dass Hühner aber mehr als hundert andere Hühner erkennen und sich sogar an sie erinnern können, dürfte den meisten Hühnerhaltern neu sein. Nicht nur die Pickordnung dient dabei der Klärung der Rangfolge, auch mehr als dreißig verschiedene Verständigungslaute helfen den Hühnern dabei, ihre Artgenossen voneinander zu unterscheiden. Tiefe Freundschaftsbeziehungen zu anderen Hühnern sind dabei keine Seltenheit. Einige Bindungen sind so eng, dass beim Tod der geliebten „Freundin“ die Trauer so groß ist, dass das verlassene Huhn selbst ebenfalls kurze Zeit später stirbt.

Und Hühner sind tatsächlich mitfühlend.

Ich durfte das selber miterleben und staunte wirklich sehr.

Als Olga verletzt war, kam Frieda sie jeden Tag besuchen. Ich hatte Olga damals in einen Extraraum in unser Haus geholt, da eine Wundversorgung mehrmals am Tag nötig war, und ich sie auch mit einer Pipette füttern musste. Frieda kam dann wirklich verlässlich und pünktlich und blieb einige Stunden bei Olga. Sie gurrte und gackerte. Sie setzte sich einfach neben sie und verharrte so viele Stunden an Olgas Seite. Sie pickte die Körner vom Boden, begleitet von einem leisen Gurren, als wolle sie Olga sagen:“Komm, gib nicht auf, friss wieder!“ Nach zehn Tagen war es dann soweit. Olga begann wieder selber zu fressen. Ich bin mir sicher, dass Friedas Krankenbesuche zur Gesundung von Olga erheblich beigetragen haben.

Schon die britische Biologin Joanne Edgar attestierte Hühnern die Fähigkeit, echtes Mitgefühl zu entwickeln. Kenntlich machte sie das bei einem Experiment mit einer gluckenden Henne. Die Wissenschaftlerin setzte die Henne und eines ihrer Küken in einen, nur durch eine Plexiglasscheibe getrennten, Käfig und ärgerte entweder Henne oder Küken mit harmlosen Luftstößen. Selbst ohne, dass das Küken Stressrufe von sich gab, geriet die Vogelmutter in denselben Stresszustand, wenn ihr Küken drangsaliert wurde, als wenn der Luftstrom auf sie traf. Ihre Reaktion war ein eindeutiger Beweis dafür, dass sie mit ihrem Küken mitfühlt.

Warum also jetzt vier? Tja, das alles und meine Beobachtungen und Erfahrungen, dem Hühnertraining und dem Leben mit Olga und Frieda, haben mich dazu veranlasst, noch zwei weitere Hühner zu organisieren (Danke Gini!), um ein soziales Gruppengefüge zu ermöglichen.

Ich bin schon sehr gespannt, welchen Charakter Conchita und Schuschu präsentieren. Und wie sich unsere vier Hennen weiter entwickeln werden.


 
 
 

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