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...kommt das Christuskind

5. Dez. 2021
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 17. März




2.ADVENTSONNTAG

Adventkerzen, Christkindlbrief- und Tiergeschichten

Wie an jedem Adventsonntag besuchten wir alle, - meine Eltern, meine Brüder Josh und Mark, meine Schwester Lore und ich-, zur Jause meine Oma. Es war dies der zweite Sonntag im Advent. Meine Oma hatte mir, als wir die zweite Kerze am Adventkranz angezündet hatten, erzählt, dass alle Tiere in der Heiligen Nacht miteinander sprechen. „Und, was das Wichtigste bei dieser Sache ist“, sagte sie, “Die Menschen können in dieser Nacht verstehen, was sich die Tiere erzählen.“ Manchmal, so sagte meine Oma, würden die Tiere sich auch über das bevorstehende Jahr unterhalten. Weil die Menschen von Natur aus neugierig sind, versuchen sie, die Tiere in der Weihnachtsnacht zu belauschen, um zu erfahren, was denn alles im kommenden Jahr passieren werde.

(Ich war begeistert. Das wollte ich auch. Und so kam es also, dass ich mir fest vornahm, diese Weihnachten, in der Heiligen Nacht - Tiere zu belauschen. Meine zwei älteren Brüder weihte ich natürlich nicht in meinen Plan ein. Ich wusste, sie würden nur über mich lachen. Allein meiner Schwester Lore gab ich mein Geheimnis preis.)

Als wir uns am Abend in unsere Decken gekuschelt hatten, erzählte ich Lore von Omas Geschichte und von meinem Plan. „Weißt du das genau?“ flüsterte Lore aufgeregt. „Glaubst du, die Oma lügt?“ fragte ich sie empört. „Was ist jetzt, bist du dabei oder nicht?“ „Na klar bin ich dabei. Aber wie sollen wir das anstellen? Wie werden wir uns wach halten? Gerade am Heiligen Abend gehen doch alle so spät schlafen. Und wir müssen uns ja anziehen und hinaus schleichen. Und wohin? Wie soll das denn gehen?“ Lore hatte recht. Das hatte ich nicht bedacht. Wir selber hatten keine Tiere zu Hause und so müssten wir wohl oder übel, naja zum Beispiel bis zum Tiergarten gehen, um die Tiere reden zu hören. Da gibt‘s Tiere genug. Aber, das sag ich euch, der Tiergarten war ganz schön weit weg von zu Hause. Und in der Nacht – wenn es so dunkel ist – und so kalt? „He, Lore. Wir wünschen uns halt zum Geburtstag beide ein Tier. Du hast doch eh schon nächsten Mittwoch Geburtstag. Vielleicht könntest du dir zu deinem Geburtstag eine Katze wünschen?“ „Genau, und mit wem bitte, soll die Katze sich unterhalten? Du wünschst dir dann zu deinem Geburtstag einen Hund?“ „Gute Idee, das mach ich!“ „Du – Dummi. Du hast im Sommer Geburtstag – und der ist schon lang vorbei.“ „Na dann wünsch du dir halt zwei Katzen.“ Lore kicherte. „Zwei Katzen – stell dir das mal vor. Mama wird das nie erlauben. Zwei Hunde schon gar nicht. Und einen Hund und eine Katze schon überhaupt gar nicht.“ „Wie wäre es mit zwei Ratten? Oder Mäusen?“ „Bist du? Mäuse? Ratten? Wenn, dann will ich eine Katze. Die sind kuschelig. Und ich kann sie frisieren. Und die schnurren. Jawohl. Oder einen Hund.“ „Psst Lore, nicht so laut. Jetzt weiß ich’s. Wir wünschen uns zu Weihnachten jeder ein Meerschweinchen. Die sind klein, machen nicht viel Arbeit. Und dann sind die Tiere am Weihnachtsabend ja da – in unserem Zimmer! Und wir können so tun, als ob wir schlafen und hören alles, was sie sich erzählen! An jedem Weihnachtsabend! Vergiss die Katze und den Hund! Bitte Lore, Meerschweinchen sind eh so lieb und die kannst auch streicheln und ihnen ein Häuschen bauen und sie frisieren und so.“ „Na gut, ok. Aber ich will mir dann mein Meerschweinchen aussuchen. Und es müssen solche mit Kringeln sein.“ Lore war einverstanden.

Der Plan war perfekt. Noch in derselben Nacht des zweiten Adventsonntags schrieben wir, meine Schwester Lore und ich einen Brief an das Christkind. Wir holten unsere Taschenlampe, Zettel und Blei und krochen unter die Bettdecke.

„Liebes Christkind! Wir wünschen uns zu Weihnachten überhaupt kein Spielzeug. Ehrlich, gar keins. Wir wollen diese Weihnachten nur ein einzigstes Geschenk. Wir wünschen uns von ganzem Herzen zwei kleine Meerschweinchen.

Nur ein Meerschweinchen für mich und eins für Lore. Das Häuschen für die Meerschweinchen bauen wir selber. Und bitte, vielleicht können die Meerschweinchen so kleine Kringel haben? DAS IST UNSER EINZIGSTER WEIHNACHTSWUNSCH DU LIEBES CHRISTKIND DU. UNSER ALLEREINZIGSTER! Und sonst gar nix.“

Und wir legten den Christkindlbrief ins Fenster. Wir konnten nur sehr schwer einschlafen. Ich träumte von vielen, vielen Meerschweinchen, die alle aufgeregt durcheinander schnatterten. Als ich aufwachte, war es noch immer finsterkalte Nacht. Ich sah in den pechschwarzen Himmel. Und da sah ich es! Ein Stern- ein heller- der flitzte- ganz schnell- hoch hinauf in den Himmel! Aufgeregt rüttelte ich Lore wach. „Schnell steh auf!“ Ich glaubte, ich hörte mein Herz in meinen Ohren laut pumpern. „Siehst du, es war schon da.“, flüsterte ich. „Puhh! Echt! Der Brief ist weg! Er ist weg.“ meine Stimme war heiser. „Da war ein Licht am Himmel! So ein schnelles. Ehrlich! Ich hab‘s gesehen! Ein heller Punkt mit einem langen Streifen hinten dran. Ich glaub, das war wirklich das Christkind und hat grade unseren Brief geholt.“


 
 
 

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